Coburger Hoflieferant - Juwelier Stahl

 

 


Zwei Generationen präsentieren sich stolz beim Hoflieferanten Juwelier Stahl in der Spitalgasse: Stefan Stahl, Gattin Gabi Stahl, Hans-Joachim Stahl und Edda Stahl (v.l.). 

Hoflieferant ist ein Unternehmen, das besondere Privilegien für Zulieferungen von Waren und das Anbieten von Diensten zu einem Hof genießt. In Ländern mit Monarchien existiert dieses System bis heute, wie zum Beispiel in Großbritannien, Belgien, Schweden und Dänemark. Die Verleihung der Auszeichnung Hoflieferant hatte nicht nur für den Lieferanten Vorteile. Die Monarchie sicherte (bzw. sichert) sich im Gegenzug durch dieses Auszeichnungssystem die Unterstützung der führenden bürgerlichen Handels- und Industriebetriebe. In Coburg führen noch eine Reihe von Geschäften mit Stolz diese Bezeichnung (Quelle: wikipedia.de).

Draußen im Schaufenster tickt, von vielen Passanten tagtäglich bestaunt, das Zahnräderwerk einer historischen Turmuhr aus dem Jahr 1902 und gibt Zeugnis von der alten Kunst des Uhrmachers. Drinnen gehen funkgesteuerte Uhren mit der Zeit. Wer bei Juwelier Stahl den Weg in die Werkstatt nehmen darf, dem begegnen Zeitmesser aus zwei Jahrhunderten. Uhrwerk an Uhrwerk tickt in Gehäusen aus Holz, Porzellan, Silber oder Gold.

 

 

Vorbei an alten Meisterbriefen, die alten Kupferstichen gleichen, und Regalen mit Hämmerchen, Zangen, Pinzetten und Lupen in vielen Formen und Größen geht es zu Handwerkstischen, denen man die Gebrauchsspuren und die lange Tradition des Hauses ansieht. Hier wird mit Brenner und Tiegelchen Gold und Silber geschmolzen - direkt daneben ein moderner Hightech-Laser, mit dem Metallteile in tausendstel Sekunden bei über 1000 Grad Hitze verschweißt werden.

„Früher bedienten vorne im Laden Verkäuferinnen die Kunden, und hinten in der Werkstatt arbeiteten wir Uhrmacher und Goldschmiede. Heute können die Kunden uns in der Werkstatt arbeiten sehen und wir gehen nach vorne, um sie zu beraten."

 

 

Der Chef weiß, was Beratung ausmacht. Verkaufen ist das eine, die Probleme der Kunden lösen etwas anderes. Ob es um ein altes Uhrwerk geht, das nicht mehr läuft, oder ein wertvolles Schmuckstück, an dem ein Schaden zu beheben ist - Stefan Stahl ist als „doppelter" Meister viel gefragt.

Nach den Meisterprüfungen als Goldschmied und Uhrmacher trat er 1989 in das elterliche Geschäft ein.

Seit Jahresanfang 2002 führt er die Firma. Bereits im Jahr zuvor hatten ihn die Uhrmacherinnung Oberfranken zu ihrem Obermeister gewählt (damit ist die Firma end-gültig in Oberfranken „angekommen", denn der Firmengründer stammte aus Erligheim in Baden und noch sein Sohn behielt lange die badische Staatsangehörigkeit).

Über die Schmuckstadt Pforzheim war Goldschmiedemeister Emil Stahl ins Herzogtum Coburg gekommen. Am 30. Mai 1895 gründete er die Firma und eröffnete sein Geschäft im Haus Steinweg 25.

Dem geschäftlichen Aufschwung folgte 1914 die Ernennung zum Hoflieferanten. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters übernahm Emil Stahl junior 1926 gemeinsam mit seiner Mutter die Firma, die ein Jahr später in das Anwesen Steinweg 32 umzog. Das 1933 erworbene Haus im Bereich der inneren Stadtmauer (Spitalgasse 26) war die Basis für die weitere erfolgreiche Entwicklung.

Uhrmachermeister Hans Joachim Stahl, der ab 1965 die Firma in 3. Generation führte, hat ihr 1977 durch umfangreiche Umbauten und Erweiterungen das heutige Aussehen gegeben und die denkmalgeschützte Blechfassade aufwändig sanieren lassen. Das aktuelle Erscheinungsbild des Ladens entstand 2002.

 

 

Verkauf, aber auch Anfertigung und Reparatur von Uhren, Schmuck und Tafelgeräten sind heute das Spezialgebiet von Juwelier Stahl. Die Firma hat viele junge Menschen ausgebildet, beschäftigt aktuell  zwei Goldschmiedeauszubildende und zwei auszubildende für Büromanagement.